Geschichte der Kompanie

Der Ursprung der Kompanie war 1618 bis 1648 im 30-jährigen Krieg und sie wurde Landfahnen genannt. Nach dem schlimmsten Bauernkrieg 1525 war das Volk entmutigt, und so schreibt der bayrische Chronist Johann Turmair aus Abensberg 1533 mit Recht:

"Das bayrische Volk ist kirchlich schlicht und recht, geht und läuft gerne wallfahrten, hat auch viele kirchliche Aufzüge; legt sich mehr auf den Ackerbau und die Viehzucht als auf den Krieg, dem es nicht sehr nachläuft; bleibt gerne daheim und zieht nicht viel zu Felde in fremde Länder; trinkt sehr, macht viele Kinder und ist etwas unfreundlicher..."

Um 1632 entstanden die Gebirgsschützen. Die bayrische Bevölkerung verehrte im 30-jährigen Krieg besonders die "Mutter Gottes" und rief sie in der Not an. 1638 ließ Kurfürst Maximilian die Mariensäule im Herzen Münchens errichten und im Jahre 1917 feierte man in Bayern dann zum ersten Mal das Fest der "Patrona Bavariae".

Der für Bayern damals so unglückselige spanische Erbfolgekrieg trug ins Leitzachtal unsagbares Leid. Nach dem raschen Einbruch Max Emanuel nach Tirol folgte bald ein kläglicher Rückzug. Martin Sterzinger hat die Tiroler gegen die Bayern aufgeboten und Ende August 1703 war Kufstein von den bayrischen Truppen befreit und das Land um den Wendelstein war den Tiroler Bauerneinfällen preisgegeben.
Bei den Kämpfen starben zwei Zeller, ein Martin Kloo vom Dorf und ein Thomas Bucher, Lechner in der Zell. Ein Langkampfner namens Andreas Ansetzwieser wurde erschlagen. Damals war Zell unmittelbares Kriegsgebiet. Die bayrischen Schützen aber taten ihre Schuldigkeit. Keinem Tiroler gelang ein weiterer Beutezug und das Leitzachtal blieb frei von Plünderungen.
Die Napoleonischen Kriege um die 19. Jahrhundertwende brachte unserem Tal schwere Wunden. Im November 1800 kamen ganze Scharen französischer Soldaten und blieben bis in den Mai 1801. Zwischen 28. und 30. November wurde die Gegend von Schliersee, Fischbachau und Zell von 15.000 Franzosen besetzt.
Am 30. November war General Lecourbe in Rosenheim. Seine Truppen aber waren am 2. Dezember bei Tegernsee und Ursprung von den Tirolern angegriffen worden. Am 2. Dezember fiel der Tiroler Schütze Johann Sieberer aus Thiersee durch einen Franzosen und wurde in Zell begraben.
Es ist unglaublich, was das Volk damals zu erdulden hatte. Vielfach bewaffneten sich die Bauern und erschlugen plündernde Franzosen. So wurden auch 3 Franzosen am Kittenrain von wütigen Dorfer Bauern erschlagen und verscharrt.

Zwischen Bayern und Österreich kam es 1805 erneut zum Krieg. Diesmal stand Bayern auf der Seite Frankreichs und hatte deshalb von Tiroler Seite Einfälle zu befürchten. Als Bayern von den Truppen entblößt war, machten die Tiroler Ausfälle. Gegen sie wurden am 17.10.1805 nach Erlass von Kurfürst Max die Gebirgsschützen eingesetzt. Im Bezirk Miesbach wurde das 28. Bataillon aufgestellt, dessen 4. Kompanie die Gemeinden Bayrischzell und Fischbachau bildeten.

Als im Frieden von Pressburg am 26. Dezember 1805 ganz Tirol an Bayern kam, ging die Gefahr im oberbayrischen Grenzland zurück. Die Gebirgsschützencorps wurden bereits Mitte 1805 wieder aufgelöst.

Nur 4 Jahre später drohte 1809 für das bayrische Oberland von Tirol her eine weit größere Gefahr. Die politische Vereinigung Tirols mit Bayern hatte nicht die gewünschte Entwicklung gezeigt. Im April 1809 kam es zum Volksaufstand gegen die ungeliebte bayrische Besatzungsmacht. Im Mai übernahm der Volksheld Andreas Hofer die Führung der Tiroler. Zwischen Kiefersfelden und dem Ammergau drangen die Tiroler Schützen tief ins bayrische Land, bis Aibling - Lenggries - Tegernsee - Zell usw.

Am 20. Juli 1809 ausgerechnet am Patroziniumsfest der Hl. Margreth machten 200 - 250 Tiroler unter Anführung eines gewissen Moosböcker einen Ausfall ins Ursprungtal. Doch es gelang 70 bayrischen Schützen bei der neuerbauten Ursprungschanz die Tiroler zurückzutreiben. Josef Sollacher - Jäger und Salinenforstwart wurde von einer Kugel getroffen, aber nicht getötet. Die Kugel ist heute in Verwahrung von Ernst Sollacher!
Auf feindlicher Seite fiel ein Mann und mehrere wurden verwundet. Ein Schreckenstag für die Zell. Zur Sicherung des Tales wurden nun Posten bezogen. In Osterhofen standen 100 Mann, beim Mainwolf 50. In der Zell lagen der Oberleutnant Franz Bauer mit 147 Gebirgsschützen.

Etwa ein Jahr nach dem Ausfall starb der Anführer Moosböcker am 20. Juli 1810. In dieser Zeit waren auch auf dem Wachtl Spähposten aufgestellt, die den anrückenden Feind auskundschafteten und die Bevölkerung warnten.
Als Antwort darauf rief König Maximilian I am 8. Mai 1809 erneut die Bildung des Gebirgsschützencorps nach dem Muster von 1805 aus. Erst nachdem die Tiroler am Berg Isel am 1. November von einem französisch - bayrischen Heer besiegt wurden, zogen sich die Tiroler allmählich aus den bayrischen Bergen zurück. Noch vor Jahresende 1809 wurde auch das 2. Gebirgsschützencorps wieder aufgelöst. (Das Institut der Gebirgsschützen erlischt nach dem Erscheinen der Landwehrordnung vom 7. März 1826, wodurch das Landvolk von Wehrdienst beurlaubt ist, es wird nur mehr freiwillig zu patriotischen Festen, bei Primiz oder Antlaß ausgerückt.)

Die Blütezeit kam, als König Ludwig I. am 4. Oktober 1835 den Landgerichten befahl mit allerhöchstem Wohlgefallen, die noch bestehenden Überreste der bayrischen Gebirgsschützen das gesamten Bayrischen Hochlandes zu erhalten und zur vollen Entwicklung zu bringen. Am 23.08.1836 wurde daraufhin die Bildung der Gebirgsschützenkompanie im Landgericht Miesbach angeordnet und auch in Bayrischzell eine Kompanie gegründet. Die Zeller Gebirgsschützen nahmen es zuerst nicht genau. Am 10. und 15. Oktober 1848 haben 15 - 16 Mann mit geschwärzten Gesichtern am Seeberg - Wendelstein und Traithen gewildert. Bei einem Zeller Bauern lag der ganze Keller voll mit Hirschen. Der Anführer Josef Klarer, Bäckersohn aus der Zell, wurde deshalb sofort verhaftet und zur Fronfeste nach Miesbach gebracht. Klarer war damals Leutnant der Kompanie Bayrischzell.
Am 29. Oktober wurden zwei weitere Zeller Burschen beim Wildern erwischt, aber auf dem Weg nach Miesbach am Behamholz befreit. Am 30. Oktober versammelten sich dann von allen Seiten an die 200 Gebirgsschützen in bedrohlicher Haltung vor der Fronfeste in Miesbach. Der Oberleutnant der Zeller Gebirgsschützen, der Zellerbauernsohn Josef Bauer, verlangte die Freilassung Klarers. Einige Gebirgsschützen luden die Gewehre, ein Schuss fiel. Die Situation rettete dann der Fischbachauer Hauptmann Thomas Steinberger, der mit seinen Schützen den Zugang zur Fronfeste besetzt hatte und dadurch ein Hinzukommen verhinderte. Unwillig ging der Haufen auseinander. Von Seiten der Ämter gab es eine strenge Untersuchung der Rebellion.

In der Standliste der Zeller Kompanie vom 9. Februar 1850 ist Josef Klarer nur noch als Schwegelpfeifer und Josef Bauer nur noch als Schütze aufgeführt worden. Demzufolge wurden beide degradiert.
Die Bayrischzeller Kompanie hatte in den Jahren 1850 - 1863 jeweils 40 - 50 Mann, davon 4 Offiziere und 5 Unteroffiziere. Der Hauptmann war Nikolaus Auracher, Unteröstnerbauer in Geitau, und Bürgermeister in der Zell.
Mit Ablauf des Jahres 1869 plante die Regierung die Auflösung der Landwehr, zu der auch die Gebirgsschützen gehörten. Damit wurde ein ruhmreiches Kapitel bayrischer Wehrhaftigkeit geschlossen. Auch die Kompanie Bayrischzell erlosch zu diesem Zeitpunkt, denn ab dem 1. Januar 1870 gab es keine staatliche Kompanie mehr.

Am 27. Juni 1980 ist im Zellerstüberl die Gebirgsschützenkompanie mit 43 Männern wiedergegründet worden.
So schrieb der Miesbacher Merkur am 2. Juli 1980 unter anderem: "Hauptmann wurde Waldemar Ziegler". In Bayrischzell besteht wieder eine Gebirgsschützenkompanie, die achte im Landkreis Miesbach. Sie kann auf eine jahrhundertelange Tradition zurückblicken, die mit der Wiedergründung am 27. Juli im "Zellerstüberl" neue Impulse auf dem Gebiet von Brauchtum und Kulturpflege geben soll. 43 Männer erklärten spontan ihren Beitritt und wählten den Revierjäger Waldemar Ziegler zum Hauptmann. Die Bayrischzeller Kompanie wird als 32. Kompanie von mittlerweile 46 Kompanien in den Bund der Bayrischen Gebirgsschützen geführt.


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